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   Zehn Jahre nach dem Erdbeben zurück in der Türkei

Bericht: Anne Welkener NRZ Dinslaken vom 17.10.2009

Am frühen Morgen des 20. August 1999 wurde bei den Männern der Lohberger Grubenwehr telefonisch nachgefragt, wer sich freiwillig bereit erklären würde, in der Türkei zu helfen. Drei Tage zuvor ereignete sich nämlich nachts ein schweres Erdbeben. Nahe der Stadt Izmit, in der Westtürkei, wurden die Menschen im Schlaf von Beben der Stärke 7,8 auf der Richterskala überrascht. Schnelle Hilfe bei der Bergung der Verschütteten war dringend notwendig.

„Da hat natürlich keiner von uns Nein gesagt!“, berichtet Uwe Grah, heute erster Vorsitzender der Grubenwehr Kameradschaft Lohberg Osterfeld. In Gelsenkirchen kamen insgesamt 120 Mitarbeiter der Grubenwehr RAG zusammen, 11 davon aus Dinslaken. Mit vielen Hilfsmitteln im Gepäck kamen sie einen Tag später in Degirmendere im Gebiet Gölcük an und bauten ihr großes Zeltlager auf einem Schulhof auf.

Viele Häuser bestanden aber nach dem Erdbeben nur noch aus Schutt und Asche. „Die flacheren sind teilweise stehen geblieben, aber der Großteil lag mit dem Dach auf dem Boden“, erzählt Grah. Er berichtet, dass im Umkreis von 50 Kilometern ungefähr 3000 Häuser zerstört worden sind und noch mal genauso viele nach dem Erdbeben unbrauchbar waren: „Da muss man sich mal vorstellen, dass in einem Haus teilweise 30 Familien gelebt haben“.

Die Überlebenden suchten noch tagelang nach ihren Verwandten, buddelten dabei teilweise sogar mit Löffeln, da kam die Hilfe der Bergleute mit ihrer technischen Ausrüstung genau richtig. Ein 8-jähriger Junge war der einzige Lebende, den die Deutschen aus den Trümmern retten konnten. Sechs Tage lang bargen sie eine Leiche nach der Anderen, halfen den Einwohnern bei der Suche nach den Vermissten und buddelten dafür bis zu sieben Meter tief in den Schuttbergen.

In Erinnerung blieb ihnen besonders die Ruine, die Tage zuvor noch eine Disco gewesen war. 250 Jugendliche feierten ausgelassen, als zwei Minuten nach 3 Uhr das Erdbeben einsetzte und das einstürzende Gebäude alle unter sich begrub.

 

Uwe Grah, der damals als Oberführer seiner Truppe mit in der Türkei war, kam nun auf die Idee, nach zehn Jahren erneut in das damalige Krisengebiet zu reisen. Jetzt war er mit sieben Männern für fünf Tage wieder vor Ort und konnte sehen, dass die vielen Spendengelder und die tatkräftige Unterstützung der Helfer Früchte getragen haben. Wenig erkannten sie auf Anhieb wieder, so viel hatte sich getan. Am Meer entlang kann man nun auf einer schönen Promenade entlang spazieren, gesäumt von großen Grünflächen, die zum Teil noch gar nicht grün waren, weil gerade erst bepflanzt wurde.

Zurück auf dem Schulhof auf dem sie damals wohnten waren die Gäste beeindruckt von der Veränderung: „Der Boden war nicht mehr schlammig, sondern schön asphaltiert, es sind weitere Schulgebäude gebaut worden und dort wo wir damals sporadisch unsere Latrine zusammengezimmert hatten steht nun ein kunterbuntes Klettergerüst“, freute sich Grah. Trotz ihres unangekündigten Besuchs nahm sich der Schuleiter sofort Zeit für sie und hieß die Dinslakener sehr herzlich willkommen. Genau wie auch der Bürgermeister der Stadt, welcher die lokale Presse hinzu rief und so dafür sorgte, dass die Männer der Grubenwehr am nächsten Tag überall bekannt waren. Alle waren sehr freundlich und dankbar und manche konnten sogar noch von ihren eigenen Erlebnissen aus jener Nacht berichten.

Beim Einkaufen erzählte den Dinslakenern eine Frau, dass sie vor zehn Jahren selbst 17 Stunden verschüttet war und dann gerettet wurde. „Das war schon ergreifend, auch für erwachsene Männer“, so Uwe Grah.

 

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Bericht Zeitung Türkei
Bericht Zeitung Türkei II

Bilder vom Einsatz im Jahre 1999

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Bilder vom Besuch der Türkei 2009

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